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title: "Die unsichtbare Bedrohung: Warum Machine Identities Ihre größte Cloud-Sicherheitslücke sind"
description: Es gibt um Faktor 100 mehr Machine Idenitities als Menschen. Warum 97% zu viele Berechtigungen haben und wie Sie das Risiko in 30 Tagen reduzieren.
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Cloud Computing

# Die unsichtbare Bedrohung: Warum Machine Identities Ihre größte Cloud-Sicherheitslücke sind

[Yannick Tresch](https://dmoove.com/blog/author/yannick-tresch)

11\. September 2026 · Min. Lesezeit

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Cloud & Identity Security

# Das Problem: 100:1 und niemand sieht es

Während Sie diesen Satz lesen, laufen in Ihrer AWS-Umgebung vermutlich tausende Identitäten, die keinem Menschen gehören. Kaum jemand hat sie im Blick und genau das macht sie gefährlich.

Service Accounts, API Keys, Workload Identities, CI/CD-Credentials, AI-Agent-Tokens: Laut dem *Identity Security Outlook 2026* von ManageEngine berichten Organisationen von Machine-to-Human-Verhältnissen von 100:1, in einzelnen Branchen bis zu 500:1.

Das ist an sich kein Sicherheitsproblem. Zum Problem wird es, weil diese Non-Human Identities (NHIs) selten sauber erfasst sind: keine durchgängige IAM-Governance, keine automatische Rotation, kaum Monitoring. Kompromittiert ein Angreifer eine davon, hat er im schlimmsten Fall einen Generalschlüssel zur gesamten Cloud-Infrastruktur.

## Die Zahlen dahinter

Der *2025 State of Non-Human Identities and Secrets in Cybersecurity*-Report von Entro Security liefert ein konkretes Bild der Praxis in Unternehmen:

| 97% aller NHIs mit übermäßigen Rechten | 92 NHIs pro menschlicher Identität im Schnitt | 91% Tokens ehemaliger Mitarbeiter bleiben aktiv |
| --- | --- | --- |

Dazu kommt: 44 % aller Tokens sind irgendwo im Klartext auffindbar — in Teams-Chats, Jira-Tickets, Confluence-Seiten oder Code-Commits. 60 % der NHIs werden von mehr als einer Anwendung gemeinsam genutzt, was jede einzelne zu einem Single Point of Failure macht. Und 71 % werden nicht innerhalb empfohlener Fristen rotiert.

Das klassische Muster dahinter: Ein Entwickler braucht eine Lambda-Funktion, die ein S3-Bucket lesen soll. Unter Zeitdruck wird `AdministratorAccess` angehängt. Die Funktion läuft und niemand geht später zurück, um die Rechte zu verschlanken.

## Wie ein realer Vorfall das Risiko zeigt

Im März 2026 wurde **Trivy**, ein bei Zehntausenden CI/CD-Pipelines eingesetzter Open-Source-Vulnerability-Scanner von Aqua Security, selbst zum Angriffsvektor (CVE-2026-33634). Angreifer verschafften sich Schreibzugriff auf das `trivy-action`-Repository und verschoben rückwirkend 76 von 77 Versions-Tags auf manipulierte Commits, die einen mehrstufigen Credential-Stealer nachluden. Jede Pipeline, die die Action über ein Tag statt über einen gepinnten Commit-Hash referenzierte, zog beim nächsten Lauf automatisch die kompromittierte Version.

Bemerkenswert: Es handelte sich um den zweiten Vorfall in dieser Kette. Nach einem ersten Vorfall Ende Februar 2026 wurden zwar Credentials rotiert - aber nicht atomar, sodass die Angreifer das Rotationsfenster nutzen konnten, um weiterhin gültige Tokens abzugreifen.

Der Fall zeigt zwei Dinge auf einmal: Wie leicht sich Vertrauen in der Software-Lieferkette missbrauchen lässt, sobald mutable Tags statt gepinnter Commit-Hashes verwendet werden und wie wenig eine einzelne Rotationsrunde bringt, wenn sie nicht vollständig und gleichzeitig für alle betroffenen Secrets erfolgt.

## AWS Best Practices: Von statischen Keys zu Workload Identity

AWS bietet die nötigen Werkzeuge dafür - sie werden nur selten konsequent eingesetzt.

### IAM Roles statt Access Keys

Grundregel: keine langlebigen IAM Access Keys für Workloads. Stattdessen Instance Profiles für EC2, Execution Roles für Lambda, Task IAM Roles für ECS und IAM Roles for Service Accounts (IRSA) für EKS-Pods. Diese liefern über den AWS Security Token Service (STS) temporäre, automatisch rotierende Credentials. Ein statischer Key, der nie abläuft, ist das Wertvollste, das ein Angreifer stehlen kann.

### IRSA für Kubernetes

Wer EKS betreibt, kommt an IRSA praktisch nicht vorbei. IRSA koppelt Kubernetes Service Accounts über OIDC-Föderation an IAM Roles. Pods erhalten so temporäre AWS-Credentials, ohne dass Secrets in ConfigMaps landen.

### AWS Secrets Manager mit automatischer Rotation

Für Secrets, die sich nicht vermeiden lassen - Datenbank-Passwörter, Drittanbieter-API-Keys - gehört AWS Secrets Manager statt Environment Variables oder Config-Dateien eingesetzt, mit konfigurierter automatischer Rotation, die on-demand oder nach Zeitplan läuft, ohne laufende Anwendungen zu unterbrechen.

### Cloud Infrastructure Entitlement Management (CIEM)

CIEM wird 2026 zum Pflichtprogramm. Tools wie AWS IAM Access Analyzer, Microsoft Defender for Cloud oder Palo Alto Cortex Cloud inventarisieren jede menschliche und nicht-menschliche Identität, berechnen die tatsächlich genutzten Permissions und markieren riskanten Standing Access. IAM Access Analyzer zeigt konkret, welche Rechte wirklich in Anspruch genommen werden - darauf lassen sich Policies rightsizen, statt sie nach Bauchgefühl zu vergeben.

## Ein praktischer 30-Tage-Plan

### Woche 1: Discovery

Sie können nicht regieren, was Sie nicht sehen. Erfassen Sie alle IAM Users, Roles und Service Accounts, alle Kubernetes Service Accounts in Ihren EKS-Clustern, alle Secrets in Secrets Manager und Parameter Store sowie alle API Keys in SaaS-Integrationen. Ergebnis sollte ein Graph sein: Identität, Owner, Zweck, effektive Permissions.

### Woche 2: Rightsizing

Mit IAM Access Analyzer prüfen, welche Permissions tatsächlich genutzt werden. Dann: ungenutzte Policies entfernen, `AdministratorAccess` durch spezifische Policies ersetzen, verwaiste Service Accounts deaktivieren oder löschen.

### Woche 3: Automation

Migration zu modernen Credential-Modellen: IAM Users durch IAM Roles ersetzen, IRSA für EKS einführen, automatische Secrets-Rotation im Secrets Manager konfigurieren.

### Woche 4: Monitoring

Kontinuierliche Überwachung aufsetzen: CloudTrail für alle IAM-Aktivitäten, GuardDuty für anomale Identity-Aktivität, regelmäßige CIEM-Scans — wöchentlich oder täglich, je nach Risikoprofil.

## Was Sie jetzt tun sollten

Beginnen Sie mit einer einfachen Frage: Wie viele Service Accounts haben Sie eigentlich? Wenn Sie es nicht wissen, ist das Ihr erstes Projekt. Führen Sie danach einen IAM-Access-Analyzer-Bericht durch und sehen Sie sich die Lücke zwischen vergebenen und tatsächlich genutzten Rechten an - diese Lücke ist Ihre Angriffsfläche. Der nächste Schritt ist dann die Migration zu temporären, automatisch rotierten Credentials. Kein Nice-to-have mehr, sondern Grundvoraussetzung.

**Quellen**

- ManageEngine, [Identity Security Outlook 2026](https://www.manageengine.com/news/manageengine-enterprise-identity-security-2026-study.html)
- Entro Security, [2025 State of Non-Human Identities and Secrets in Cybersecurity](https://nhimg.org/2025-state-of-non-human-identities-and-secrets-in-cybersecurity)
- CVE-2026-33634 — Trivy / trivy-action Supply-Chain-Kompromittierung, März 2026 ([Details](https://fieldguide.lutrasecurity.com/CVE-2026-33634))

Yannick Tresch

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